Graue Wölfe weihen Räumlichkeiten im Bochumer Westen ein

Die Almanya Türk Federasyon (kurz: ATF oder ADÜTDF) hat, nach eigenen Angaben, im Frühjahr 2022 einen neuen Kulturverein in Bochum eingeweiht. Diese Räumlichkeiten befinden sich nahe dem Westpark in der Römerstraße 1, Ecke Goldhammer Straße. Sie sind durch angebrachte Schilder mit Vereinslogo für Außenstehende gut zu erkennen.

ATF Bochum verkündet die Nutzung neuer Räumlichkeiten auf Social Media. Im Hintergrund Symbolik der Ülkücü-Bewegung.

Bei ATF handelt es sich um einen deutschlandweit agierenden Kulturverein, welcher jedoch direkte Nähe zur türkischen Partei „Milliyetçi Hareket Partisi“ (MHP) aufweist. Die MHP ist als Teil des Ultra-nationalistischen Wahlbündnisses „Volksallianz“ gemeinsam mit Erdogans AKP an der derzeitigen Regierungsbildung in der Türkei beteiligt. Alparslan Türkes, Gründer und selbsternannter Führer, schwor seine Partei seit dem Ende der 1960er Jahre auf einen Blut-und-Boden-Nationalismus, Rassismus gegenüber „Nicht-Türken“ und für die Vereinigung von sunnitischem Islam und „Türkentum“ ein. Zahlreiche Morde wurden seitdem aus dem Schatten der Parteipolitik heraus verübt – begangen von paramilitärischen Strukturen, bezeichnet als „Bozkurt“ oder Graue Wölfe. Mittlerweile bezeichnet diese Begrifflichkeit alle Anhänger der sogenannten „Ülkücü-Bewegung“ (zu Deutsch: Idealisten-Bewegung), also die der türkischen Parteien MHP und „Büyük Birlik Partisi“ (BBP) und ihrer deutschen Kulturvereine (ATF, ATIB, ATB). Dass die Nähe der ATF Bochum zur türkischen Mutterpartei MHP keinesfalls zu leugnen ist, beweist neben Besuchen türkischer Parteifunktionäre nicht zuletzt die Inneneinrichtung. Neben Kemal Atatürk, verehrt als Gründer der modernen Türkei, hängen im Vereinsheim gerahmte Bilder des „Führers“ Alparslan Türkes‘ sowie des aktuellen Parteivorsitzenden Devlet Bahçeli. Außerdem eine Abbildung eines heulenden grauen Wolfes, ergänzt durch drei Halbmonde auf rotem Grund – dem Parteilogo der MHP, welches sich in seiner Symbolik auf die ursprünglich grüne Kriegsflagge des osmanischen Reiches zurückführen lässt[1].

Ein Treffen mit Vertretern der Bundesebene der Türk Federasyon in Bochum. Im Hintergrund Bilder der MHP-Führer Bahceli (links) und Türkes (rechts).

Entsprechend eines zentralistischen und hierarchischen Organisationsaufbaus, ist auch ausgehend von Bochums Kulturvereinen mit einer Verbreitung der ultra-nationalistischen Parteiagenda, faschistoidem Gedankengut und Agitation zu rechnen. Bisher war die Bochumer ATF besonders im Stadtteil Dahlhausen aktiv[2]. Inwieweit sich bisherige Vereinsaktivitäten, wie die Organisation von Jugendarbeit oder „Frühlingsfesten“ als Deckmantel für die parteipolitische Agenda, jetzt in das Bochumer Zentrum verlagern, bleibt abzuwarten.  Für antifaschistische Gruppen und zivilgesellschaftliche Akteure gilt es den Organisationseinheiten des türkischen Nationalismus entgegenzutreten und ihre Strukturen offenzulegen.

Der Kulturverein in der Römerstraße.

[1] Für eine grundsätzlichen Überblick über das Spektrum der Grauen Wölfe, die zugehörigen türkischen Parteien sowie die deutschen Kulturvereine vgl. bspw. Kemal Bozay, Orhan Mangitay (2016), „Ich bin stolz Türke zu sein!“. Graue Wölfe und türkischer (Rechts-)Nationalismus in Deutschland. Herausgegeben von der Wuppertaler Initiative für Demokratie und Toleranz e.V.

[2] Dazu berichteten in der Vergangenheit bereits andere Initiativen: https://www.bo-alternativ.de/2019/04/09/die-stadt-duldet-weiter-ein-fest-der-grauen-woelfe-in-dahlhausen/; https://www.jugendring-bochum.de/fileadmin/user_upload/PDF-Dateien/Zeitunggegenrechts_web.pdf